Mit Boot und Bus (25.01)
Beim Frühstück hat uns ein etwas älterer Deutscher angequatscht, der hat uns dann bis Nachmittags ein Kotelett ans Ohr gelabert. Er war ja ganz nett, aber meine Güte manche Menschen reden einfach zu viel!
Wie auch immer nach dem Frühstück ging es runter an den Bootsanleger und kurze Zeit später dann wieder zurück nach Copacabana. Dort haben wir uns dann einen Bus nach La Paz gebucht und sind vorher noch kurz etwas essen gegangen. Für mich gabs mal einen Salat, etwas leichte Kost tut meinem Magen sich gut dachte ich mir. Seit der Geschichte in Cusco ist meine Verdauung immer noch ein bisschen durcheinander. Erstaunlich, wie lange sich so etwas ziehen kann!
Als der Bus ankam, waren wir dann etwas enttäuscht, denn der Versprochene „Bus Cama“ wurde nicht geliefert, sondern die letzte Ranzkarre mit so engen sitzen, dass Melvin und ich darin gestapelt saßen wie die Dachziegel. Nun gut, die Fahrt war ja zum Glück nur 4 Stunden lang. Ein Highlight war dann noch das übersetzen über den See nach etwa 1,5h. Alle raus aus dem Bus und mit einem kleinen Bötchen rüber, die Busse wurden auf ziemlich sketchy aussehenden Flößen rüber geschippert. Gut das wir ausgestiegen waren!
Nachdem wir in La Paz angekommen waren, waren wir zum Glück relativ nah an dem Hostel, also sind wir gelaufen. Die Eindrücke dabei wären erstmal ein bisschen überwältigend, nach der ganzen Zeit in der Natur. Voll, laut und unübersichtlich, aber diese Gefühle würde sich nach meiner Erfahrung legen. Den Abend ist dann auch nicht mehr viel passiert, außer dass wir im Zimmer gechillt haben.
Mirador, Hexenmarkt und Coca Musuem (26.01)
Nach dem, überraschend guten Frühstück, im Hostel haben wir uns nach einer kurzen Chillung im Zimmer aufgemacht zu einem Aussichtspunkt. Dazu sind wir zur roten Gondel Linie und damit nach El Alto hochgefahren. Der Weg zu dem Aussichtspunkt war dann relativ sketchy und hat zwischendurch gerochen als ob man durch ein Bahnhofsklo läuft, aber was macht man nicht alles für eine gute Aussicht. Der Aussichtspunkt selber sah so aus, als ob die da mal einen bauen wollten, dann bei der Hälfte aber irgendwie aufgegeben hatten. Nun gut, die Aussicht war super!
Nachdem wir ca. eine Stunde die Aussicht genossen hatten, haben wir uns auf den Rückweg gemacht und an der Gondelstation noch einen Burger mit Salchipapa rein gefuttert, eine riesengroße Portion für schlappe 4,2€. Nachdem wir im Hostel dann Siesta gemacht hatten, sind wir nochmal los zum Hexenmarkt, der hier direkt um die Ecke ist. Danach sind wir dann noch ins Coca Museum, was etwas weiter die Straße runter war. Danach sind wir sehr gut und tatsächlich auch authentisch indisch essen gewesen und haben noch ein Bier in einer Bar getrunken. Alles in allem ein gelungener Tag!
City Tour und eine böse Überraschung (27.01)
Wir hatten uns dazu entschieden eine City Tour von Cat Hat Tours zu machen, die mir von jemandem Empfohlen, wurde den, ich vor Monaten in Bogota kennengelernt hatte und der danach Bolivien bereist hat. Die Tour sollte um 10 Uhr beginnen, also hatten wir entspannt Zeit auszuschlafen und zu Frühstücken.
Wer die Tour mal selber machen will, sollte den nächsten Part überspringen, denn ich werde ziemlich viel zum Inhalt erzählen. Der erste Stopp der Tour war der Hauptplatz der Plaza Morilla, dieser ist nach dem benannt, der den ersten Aufstand gegen die Spanier geführt hat. Dieser hat leider nur kurz Erfolg gehabt und am Ende wurden Morilla und seine 6 Mitaufständler (es gab natürlich noch mehr, aber das waren die Anführer) wurden später von den Spaniern auf diesem Platz gehängt.
Der Platz ist, umsäumt von wichtigen Gebäuden wie dem Regierungspalast und dem Parlament. Ersteres wurde in der Geschichte zweimal niedergebrannt, auf Demonstranten, jeweils mit dem Präsidenten darin. Allgemein gibt es hier in Bolivien eine lebendige Tradition zu Aufständen, wie die Straßensperren nach den Benzinpreiserhöhungen im Dezember gezeigt haben. Auf diesem Platz wurde auch schon vom Militär auf Demonstranten geschossen, wobei sich auch das Militär und die Polizei Snipergefächte geliefert haben. Alles in allem eine sehr wilde Vergangenheit.
Der nächste Stopp war der San Pedro Square. Dieser heißt eigentlich Sucre Square, wird aufgrund des Gefängnisses, das hier direkt am Platz steht aber anders genannt. Die Story über dieses Gefängnis ist wirklich das wildeste, was ich lange gehört habe. Das Gefängnis wird nämlich von den Insassen selbst verwaltet und es stehen nur am Ausgang Wachen das Aufpassen, dass keiner rausgeht. Die Familien der Insassen leben nämlich mit im Gefängnis und dürfen zweimal am Tag rein und raus, als wir dort standen war auch gerade eine Schlange von Frauen davor, die dann nach und nach reingelassen wurden.
Die Insassen müssen hier für alles selber sorgen, auch das essen. Daher wird auch quasi eine Eintrittsgebühr verlangt, wenn man in das Gefängnis muss. Diese hängt vom Verbrechen und davon ab, wie reich man ist. In Bolivien soll wohl die Schuldvermutung gelten, daher werden Leute hier reingesteckt und müssen dann beweisen, dass sie unschuldig sind. Kann ich nicht so ganz glaube, aber das ist, was der Guide sagte. Zur Finanzierung des Gefängnisses wird darin auch Koks produziert, jeder weiß das, aber keiner macht etwas, weil die Wachen mit den Einnahmen geschmiert werden. Es gibt auch ein Buch darüber Namens Marching Powder, das in Bolivien verboten ist.
Danach ging es mit der Seilbahn hoch nach El Alto zum Lokalen Markt und zum richtigen Hexenmarkt der Lokals. Hier habe ich kaum Bilder, da es wie aus Eimern geschüttet hat. Hier wurde uns dann aber mal erklärt, wozu diese getrockneten Babylamas gut sind. Die werden bevor man ein Haus baut in einem Ritual an Pacha Mama geopfert und unter dem Haus gegraben. Je größer das Haus, desto größer das Lama oder desto mehr. Bei sehr großen Gebäuden wurden früher Menschen geopfert, dass das stimmt, merkt man, wenn alte Gebäude abgerissen werden und darunter immer menschliche Überreste gefunden werden. Ob das heute noch praktiziert wird weiß keiner so genau, es ist weder nachgewiesen noch widerlegt.
Die Einheimischen hier sind alle ziemlich Abergläubisch und gehen mit vielen Problemen zu Hexendoktoren, die in diesen oben gezeigten Kabinen Ihre Büros haben. Entweder man hat ein konkretes Problem oder man geht einfach so hin. So oder so werden erstmal Cocablätter geworfen und danach entschieden was nun gemacht werden muss. Die Klienten bekommen dann eine Einkaufsliste und müssen das bei den Shops dann kaufen. Diese Opfergabe wird dann danach verbrannt und die Asche vergraben. So soll Pacha Mama mitbekommen, worum man sie bittet. Die Hexendoktoren müssen entweder vom Blitz getroffen werden, um diese Kräfte zu bekommen, oder mit einer Abnormalität, also z.B einem sechsten Finger, geboren werden.
Nach der Tour war erstmal aufwärmen und chillen angesagt, danach haben wir Sachen gepackt und dabei ist Melvin aufgefallen, dass er doch schon in dieser Nacht fliegt und nicht erst die darauf. Das war natürlich erstmal ein riesiger Schock für uns beide. Die Zeit geht so oder so zu Ende, aber dass es dann so plötzlich kam, hatte uns beide etwas überrumpelt. Na gut, so ist es halt! Also die Sachen fertig gepackt, ihm ein Airport Shuttle klargemacht und danach in eine Bar erstmal was essen und ein paar Bierchen auf den überraschenden letzten Abend.
Dort haben wir dann noch einige Zeit gesessen und uns wie immer sehr gut unterhalten. Diese Unterhaltungen mit dir werden mir echt fehlen, es war eine wunderschöne Zeit, die wir zusammen hatten und ich bin super froh, dass du es wirklich wahr gemacht hast und mich besucht hast! Als die Zeit dann gekommen war haben wir zum Abschied nochmal ein Foto gemacht, uns lange umarmt und gegenseitig eine Gute Reise gewünscht. Als ich wieder oben im Zimmer war, sind mir dann noch ein paar tränen die Wange heruntergerollt. Ich war ja vorher auch alleine hier unterwegs, aber irgendwie hat mich dieser Abschied doch sehr hart getroffen.

Jetzt muss ich erstmal ein paar Tage hier in La Paz verbringen, da ich auf ein Paket aus Deutschland warte. Die Zeit werde ich wohl für einen Spanisch-Kurs nutzen.





















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