Welcome back Remy (01.02)
Nachdem Melvin und ich uns in Cusco von Remy getrennt hatten, da er dort einen Spanisch-Kurs machen wollte, haben wir uns nun in La Paz wieder getroffen. Damit ist es jetzt das Fünfte mal das wir uns auf dieser Reise Treffen. Das erste Mal in Minca, das zweite Mal in Salento, das dritte Mal auf Galapagos und das vierte Mal in Huaccachina. Schon verrückt wie die Wege sich immer wieder kreuzen, ob geplant oder ungeplant!
Wir sind zunächst zusammen Mittagessen gegangen und haben uns dann die Rundtour mit den Gondeln vorgenommen, denn man kann hier eine schöne Runde quer durch und um die Stadt mit den Teilen für günstige 1,3€ fahren. Das hat dann den restlichen Tag eingenommen und nach einem günstigen Abendessen ging es dann auch schon recht früh ins Bett.
Computer sagt nein und ein Besuch aufm Markt (02.02)
Nach dem Spanisch-Kurs und dem Mittagessen wollten Remy und ich Geld mittels Moneygramm abheben. Wie ja schon vorher erwähnt, gibt es hier in Bolivien einen offiziellen und einen inoffiziellen Wechselkurs. Für Euro sind die bei ca. 8 und 10-11, man kann also viel Geld sparen, wenn man Bargeld tauscht, anstatt mit Karte zu bezahlen oder an Geldautomaten abzuheben. Es gibt aber noch eine weitere Alternative und die heißt Moneygramm. Dort kann man sich selber Geld schicken und das dann bei einer Bank abholen.
Also haben wir dafür alles fertig gemacht, man braucht einen Account und eine Kopie seines Reisepasses. Die erste Transaktion ist kostenlos und man bekommt einen besseren Kurs, also wollte ich direkt mal 300€ „abheben“. In der Bank dann erstmal ein Ticket ziehen und warten. Am Schalter kam kann die böse Überraschung, weil meine Passnummer Buchstaben enthält, kann deren System das nicht verarbeiten. Super! Da hab ich mich doch direkt an die Szene aus Little Britain erinnern müssen:
Na gut, dann tausche ich halt nochmal was. Bei nächsten Mal nutzen wir dann einfach beide Remy´s Pass, denn mit dem war es kein Problem. Danach sind wir dann erstmal zu der Agentur, bei der wir uns für die Huayna Potosi Tour eingeschrieben hatten, um eben diese zu bezahlen und haben abgewartet bis es aufgehört hat zu regnen.
Später sind wir dann zu dem Markt, den wir Tags zuvor von der Gondel aus gesehen hatten. Der entpuppte sich als eine Mischung aus Jahrmarkt, Hexenmarkt, Food ständen und Krimskrams, aber in Riesengroß und komplett unorganisiert gewachsen. Wir haben den ein paar mal komplett durchquert, was gegessen, ein paar Aussichten genossen und sich danach wieder zurück ins Hostel.
Chillday und Aussichtspunkt (03.02)
Remy hatte sich für heute eine Wanderung zur Akklimatisierung für die Bergtour gebucht, die ab Morgen anstand. Ich dachte mir, da ich schon über eine Woche in La Paz bin, brauche ich das nicht. Also ich bin ein letztes Mal zum Spanisch-Kurs, danach Mittag und eine Runde Chillen. Für den Nachmittag hatte ich mir dann vorgenommen, zu einem Aussichtspunkt mitten in der Stadt zu gehen.
Der Mirador Killi Killi liegt wirklich mitten in der Stadt und man hat einen fantastischen Rundumblick. Zum Glück von der allnachmittagliche Regen an diesem Tag etwas später an, sodass ich tatsächlich ein wenig die Sonne dort genießen konnte. Als ich wieder ins Hotel kam, war Remy schon wieder da und wir sind um die Ecke zu einem Inder essen gegangen. Das Bolivianische essen ist ziemlich Basic und ab und zu muss man sich mal etwas gönnen, dass einen komplexeren Geschmack hat! 😀
Der erste Tag am Berg (04.02)
Die Tour ging um 08:30 los, also musste man mal nicht gottlos früh aufstehen, um dann 5h in einem unbequemen Minibus zu sitzen in dem man (ich) nicht schlafen kann. Nach einem Gear check und einem Abstecher zu Apotheke ging es dann los. Die Fahrt war zum Glück nicht so lang, da der Berg relativ direkt außerhalb der Stadt liegt.
Angekommen wurden als Erstes die Betten bezogen, es gab Mittagessen und danach ging es los zum Gletscher auf eine Trainingsrunde. Denn um diesen Berg besteigen zu können, musste man Steigeisen und Eispickel nutzen und das sollte vorher einmal ausprobiert werden. Also wurden einmal die verschiedenen Schritte ausprobiert, die man an verschieden steilen Stellen nutzt und danach ging es ans Eisklettern. Die Route, die ich geklettert bin, hatte einen kleinen Überhang und man hatte kaum halt mit den Füßen. Die ganze Sache war auch maximal anstrengend, da wir uns ja über 5000m befunden haben.
Aufstieg zum High Camp (05.02)
Dieser Tag war auch wieder recht entspannt, da der Aufstieg erst nach dem Mittagessen starten sollte, sonst würde man sich oben mit der Gruppe vom Vortag in die Quere kommen. Nach dem Mittag ging es als mit dem ganzen Gepäck los. Müsste ich schätzen würde ich sagen gut 15Kg, mit allem drum und dran. Wir starteten auf 4700m und musste auf 5300m aufsteigen. Das war schon mal gut anstrengend, es sind zwar nie die Bomber strecken oder Höhenmeter, aber die Luft in dieser Höhe ist dann doch schon bedeutend dünner als in den Alpen.
Im High Camp angekommen wurde dann erstmal ein kleiner Nap eingelegt, denn heute Nacht würden wir um 12 Uhr aufstehen, um den Aufstieg um 1 zu beginnen. Deswegen ging es nach dem Abendessen mit anschließender Besprechung des Ablaufs am nächsten Tage auch direkt ins Bett.
Der Gipfel ruft! (06.02)
Als der Wecker um 12 Uhr Nachts klingelte, war ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt geschlafen hatte oder nicht. Ein bis zwei Stunden werden es aber gewesen sein, die Uhr sagt eine Stunde und 10 Minuten, Qualität schlecht, na gut! Immerhin hatte ich Hunger und konnte mir bei dem frühesten Frühstück, das ich jemals hatte, gut was reindrücken.
Danach ging es dann direkt los. 800m Aufstieg in etwas unter 3km und das mitten in der Nacht, damit man zum Sonnenaufgang oben ist. Ich hatte mir einen Ohrstöpsel reingemacht und war die ganze Zeit am Hardstyle pumpen. Normalerweise höre ich beim Wandern ja keine Musik, aber hier hatte man nur das Knacken des Schnees unter den Schuhen und ich brauchte etwas Motivation. Bei der ersten Pause kam dann schon die erste Überraschung, eine aus der Gruppe hat es nicht gepackt und musste umdrehen. Aus unserer Zweiergruppe wurde ab hier also eine Dreiergruppe.
Der Aufstiegt war wirklich magisch, das Mondlicht tauchte den Berg in einen silbernen Schimmer, die Sterne schienen hell wie Glühbirnen über uns und die Kopflampen bildeten eine Lichterkette, die sich den Berg hinauf zog. Ich habe zwar versucht, das einzufangen, aber keine Chance. Doch in meiner Erinnerung werde ich dieses Bild für immer sehen. Wie ich zu Remy in diesem Moment sagte, „jetzt gerade werden Erinnerungen geformt, die wir so frisch wie jetzt gerade immer wieder abrufen werden können“ und genau so ist es auch!
Auf etwas der Hälfte der Strecke kam dann die Eiswand. Es ging zwar nicht 90°, aber doch bestimmt 60° nach oben und das für gut 40m. Die Guides klettern da ohne Sicherung hoch und sichern die Gruppen, die in einem Hochklettern, dann von oben ab. Hat man es nicht selber gemacht, kann man sich nicht vorstellen, wie anstrengend das ist. Die Luft auf 5700m ist so dünn, dass man wirklich jeden Atemzug genau kontrollieren muss, damit man genügend Luft bekommt.
Danach ging es immer steiler und steiler nach oben, die Luft wurde immer dünner und dünner. Kurz vorm Gipfel musste ich unsere Gruppe dann zweimal zum Anhalten zwingen, da ich angefangen habe zu hyperventilieren und dabei fast ohnmächtig geworden wäre. Zum Glück ist mir das rechtzeitig aufgefallen und nach jeweils etwa zwei Minuten konnte ich meine Atmung wieder einfangen und weitermachen. Doch die letzten Höhenmeter zum Gipfel waren ein Kampf und ich wollte fast aufgeben. Doch Remy hat mich immer weiter motiviert. An einen Satz, den er geschrien hat, kann ich mich noch genau erinnern, „I don´t let you here. Come on get up! If necessary I pull you up that fucking mountain!“. Danke dafür man! <3
Am Gipfel angekommen nach diesem Kampf war der Dopaminrausch einfach unfassbar. Als wir uns umarmten, mussten wir alle Weinen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich eine Gipfelbesteigung so emotional werden lassen würde. Nachdem wir Gruppenfotos und Fotos der Ansicht gemacht hatten, ging es nach etwa 20 Minuten an den Abstieg. Ich wäre zwar gerne stundenlang hier oben geblieben, aber zum einen hätte der Guide das nicht mitgemacht und zum anderen ist es da oben mit dem Wind gefühlt -20°C kalt gewesen.
Auf dem Weg runter kamen mir dann wieder die Tränen, dieses Gefühl es geschafft zu haben, der wunderschöne Anblick der Berglandschaft und die Realisierung wie Privilegiert man ist so etwas machen zu dürfen, also sowohl die Besteigung als auch einfach open end zu reisen, hat mich einfach komplett überwältigt. Dieses Gefühl ist so stark gewesen, dass ich es sogar jetzt wieder spüre, wenn ich diese Zeilen schreibe!
Nach der Eiswand war meine Kraft dann aber am Ende und der Restliche weg war nur noch eine reine Folter! Muss man dann eben durch und ich war froh als wir am High Camp angekommen waren. Kurze Zeit später gabs erstmal eine Suppe und dann begann schon der Abstieg zum Basecamp. Das war natürlich killer für meine Beine, aber immerhin hatte ich meine Stöcke mit hier hochgebracht und konnte damit ein wenig Last von den Beinen auf die Arme verteilen.
Nachdem wir die Sachen aussortiert hatten, die wir von der Agentur bekommen, hatten ging es auch schon wieder zurück nach La Paz. Dort angekommen erstmal unsere gelagerten Sachen abholen und etwas Essen! Danach ins Hostel einchecken, da wir zu viert waren (Remy, Sean, Jur (Abkürzung) und ich) konnten wir uns für 10Bs mehr pro Person ein privates Zimmer nehmen. Es hat auch geholfen das ich mich mit dem Rezeptionisten angefreundet hatte und er uns 50Bs Rabatt gegeben hat. Erstmal duschen und dann Pennen!
Abends sind wir dann Pizza essen gegangen, die wirklich extrem gut war. Es stellte sich heraus, dass der Bäcker und Inhaber mal zwei Jahre in Italien gelebt und das dort gelernt hat. Remy und Jur sind danach zu einem Fußballspiel und ich direkt wieder ins Bett und das war auch gut so! Den Schlaf habe ich gebraucht kann ich euch sagen!
Alles in allem war diese Tour das Anstregendste und wohl schönste das ich jemals gemacht habe. Von den Erinnerungen werde ich noch lange zehren können! Ich kann jedem der mal nach Bolivien reist nur Empfehlen das zu machen. Ihr werdet es nicht bereuen, auch wenn ihr euch zwischendurch denken werdet, „warum tue ich mir das eigentlich an“. Ohne fleiß keinen Preis und mit der Weisheit verabschiede ich mich, bis zum nächsten Mal!




































































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